16. November 2017

Von Brasilien nach Argentinien

Passt das unten durch?

Zarate, 14.11.2017, 19.25 Uhr: Was für ein ereignisreicher Tag heute! Morgens erwachten wir bei schönstem Wetter. Wind und Wellen hatten auch wieder ein normales Ausmass angenommen. Nach dem Frühstück ging’s auf die Brücke und wir schauten einmal mehr aufs blaue, unendlich scheinende Meer. Drei Stunden später war es dann braun! Ein sicheres Zeichen, dass wir in der riesigen Bucht des Rio de la Plata waren, an dem sowohl Montevideo, die Hauptstadt Uruguays, als auch Buenos Aires, die Hauptstadt Argentiniens liegen. Nochmals zwei Stunden später tauchte dann die Silhouette von Buenos Aires auf. Auch hier waren es, nebst den Hafenanlagen, vor allem die Hochhäuser, die uns in die Augen stachen. Für mehr als eine Stunde schipperten wir an dieser Kulisse vorbei. Die Abzweigung in den Hafen der Stadt liessen wir auf der Backbordseite liegen und folgten den Bojen, die den Seeweg nach Zarate markierten.

Und dann sichteten wir die Einfahrt in den Rio Parana, der uns nach Zarate führen sollte, das gute hundert Kilometer, oder fünf Stunden Fahrt, entfernt liegt. Ein schmaler Kanal, der nur zwei Meter tiefer als unser Kiel ist, führte uns durch eine wunderschöne Sumpflandschaft, die uns an Estero del Ibero, ein Schwemmland in der Provinz Entre Rios, erinnerte. Oder auch an Botswana. (Bei solchen Vergleichen erinnere ich mich immer gerne daran, was wir in unserem Leben bereits alles zu sehen bekamen!) Von fast 40 Metern Höhe schauten wir auf eine einzigartige Landschaft. Auf beiden Seiten kleine Flüsse oder Lagunen, an denen Reiher Ausschau nach Beute hielten. Dann wieder kleine Bretterbuden auf Stelzen – Weekendhäuschen von reichen und weniger reichen Argentiniern. Die Reichen, das sagte uns der Lotse, wohnen auf der rechten Flussseite und die Armen (darunter zählte er auch sich selbst) auf der linken.

Es war eine unvergessliche Fahrt. Es gab immer etwas zu sehen: Schöne Landschaften, gefolgt von rostenden Wracks, die im Wasser lagen. Oder im Zerfall begriffene Fabrikhallen, die von der Natur Backstein um Backstein zurückerobert werden. Am frühen Nachmittag passierten wir die Brücke, die kurz vor Zarate den Parana überspannt. Der Mast mit den Postionslichtern musste für diese Passage umgelegt werden – bis zur Unterseite der Brücke blieben noch ganze fünf Meter! Kurz darauf wurde der Lotse von einem Kollegen abgelöst, der die Grande Amburgo in den Hafen von Zarate lotste, wo wir – mit Hilfe eines Schleppers – eine 360 ° Wende machten. Dann wurde die Grande Amburgo an grosse Betonpfosten geschoben, an denen sie vertäut wurde. Leinen wurden ausgeworfen und die schweren Taue wurden über die Tampen gelegt. Eine halbe Stunde später wurden die Rampe ausgefahren. Dieses Schauspiel hatten wir bereits einige Male beobachtet und so zogen wir uns zu einem kalten Bier und einem Glas kühlen Weissweins in die Offiziersmesse zurück um auf diesen Tag, auf unsere Crew und auf Zarate anzustossen.

Zarate ist der letzte Hafen, bevor wir Montevideo anlaufen, wo wir am Freitag ankommen sollten. Das Ankunftsdatum allerdings hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wann können wir abladen? Was müssen wir aufladen? Wann haben wir freie Fahrt durch die schmale Fahrrinne des Parana, die uns zurück in den Rio Plata führt. Wann haben wir einen Lotsen zur Verfügung? Wir lassen uns überraschen und geniessen die Tage, wie sie sich uns bieten.

Gestern haben wir den Landgang nachgeholt. Wie immer dauerte es geraume Weile bis wir die Kontrollen im Hafen hinter uns hatten und unsere Pässe inspiziert wurden. Ein Taxi brachte uns zur Plaza mayor im Zentrum der Stadt. Von dort machten wir uns zu Fuss auf um Zarate zu erkunden. Die Temperatur hier beträgt zurzeit etwas über 30° und es ist schwül. Wir suchten den Schatten wo immer wir konnten. Als Erstes ging’s auf eine Bank, Santander, wo hunderte von Leuten standen, die ihre Einzahlungen machen wollten – E-Banking ist hier noch ein Fremdwort! An einem ATM – zum Glück gibt es diese heutzutage auch in Argentinien – bezogen wir mit unserer Mastercard Bargeld. Danach suchten wir einen Laden von Claro, ein argentinischer Provider. Doch so einfach wie wir dachten, war es nicht, eine Prepaid-Karte zu erhalten.  Das Prozedere dauerte über eine Stunde. In einem nahe gelegenen Restaurant liessen wir uns einen Cortado (Milchkaffe) schmecken und prüften ob die Internet-Verbindung klappt. Nein!